6. Mai 2019

Jane’s Walk als Stadt-OL


Güntzstr./Marschnerstr., Stolpersteine der Familie Kastner
Das Jane’s Walk Festival 2019 ist auch in Dresden Geschichte und dabei waren zwei Stadt-OL (ein neuer zum ersten Mal) und bei diesen u.a. Teilnehmende von den ABC-Tischen des Umweltzentrums Dresden und von den Naturfreunden, am Freitag und Samstag jeweils Teilnehmer vierer Nationalitäten.
Die Dynamo-Fans am Freitag am Straßburger, von 1951 bis 1990 Fučíkplatz, davor Stübelplatz, waren viel mehr als wir, aber wir erlebten vielleicht viel mehr als sie, zumindest viel Guttuendes, Ernstes, aber wir lachten auch.
Wird da eine neue Moschee gebaut oder „nur“ ein Wohnhaus? Was macht manchen Menschen Angst vorm Islam, vor Menschen, die von woanders stammen? Selbst ohne Religion ist da eine Kraft, durch die alles entstanden ist. Das interessiert genauso Wissenschaftler*innen. Menschen sollten einander kennenlernen, das ist ein Anliegen des Jane’s Walk Festivals.
Namen von Straßen und Gedenkorte sind wichtig für eine lebendige Erinnerungskultur. Wenn etwas umgenannt wird, weggerissen, neu gebaut, dann verändert das. Genauso macht (falsche, übertriebene, einseitige) Berichterstattung Stimmung, jede Erinnerung, Aussage über Vergangenes beeinflusst die Zukunft.
Vor einer Baustelle wurde beim 2. Stadt-OL ein Gedicht vorgelesen, „... Es blüht dort zwischen den alten Häusern in der Bombenlücke ein Baum“.

Striesener Str., Nähe Stolpersteine des Ehepaares Hann
Am Samstag regnete es – bis sich eine kleine Gruppe vom Kulturpalast, der zum Glück nicht abgerissen, sondern saniert wurde (war ja auch vieles gut in der DDR), aufmachte, um beim neuen „Geschichts-OL“ kleinere, unscheinbarere geschichtsträchtige Orte in der Dresdner Altstadt zu entdecken.
Auf dem Postplatz, wo mit „Gemeinsam für Vielfalt!“ gegenwärtige Geschichte geschah, wurde am Theater u.a. die erste von drei Tafeln des „Dresdner Revolutionsweges“ besucht. Auch zwei Tafeln vom Maiaufstand vor 170 Jahren sind in der Inneren Altstadt zu finden, zwei weitere mit Hilfe des Kultur-OL auf der Altmarkt-Seite/-Karte. Zur Erinnerung an den Einsatz – mit dem Leben – für eine (sächsische) Republik/Demokratie findet am Donnerstag, 9. Mai 2019, 11 Uhr auf dem Alten Annenfriedhof eine Veranstaltung statt, wo noch Gräber von damals Gefallenen und standrechtlich Hingerichteten zu finden sind. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, vergessen wir das nicht?!
Die Tolerade zog in die Neustadt, viele junge Leute, viele, die tranken, rauchten und tanzten. Alkohol mögen etliche konservative bis stark rechtsgerichtete Leute auch. Nicht jede Flasche wurde abgestellt, manche lag auch zersplittert in den Bahngleisen. Was ist Spaß und Ausnahme und wo fängt Entgleisung an, wo wird es verrückt, wenn für Naturschutz geworben wird und gleichzeitig Naturverschmutzung „dafür“ stattfindet?

Am Sonntag führte ein anderer Jane’s Walk von der Synagoge auf die Brühlsche Terrasse, wo Juden „irgendwann“ in den 30er Jahren nicht mehr sein durften. Wir dürfen nicht müde werden, vom Holocaust zu erzählen, wie er „klein“ anfing, wo er endete – vom Bespucken zum Genozid.

Noch ein Veranstaltungshinweis: Ab Mitte der Woche ist „Wald auf dem Neumarkt“.

In Dänemark sind die Menschen glücklicher? Vielleicht liegt es ja u.a. an freien Festpostennetzen.
In der Dresdner Heide hängen derzeitig zumindest vorübergehende Nacht-OL-Festposten.

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