11. November 2019

Es war einmal, kann noch einmal


24 Menschen mit Fotograf, eine Luthereiche, ein Gedenkstein
In Syrien ist seit Jahren Krieg, töten Menschen Menschen. In Afghanistan seit Jahrzehnten. Aus anderen Ländern wanderten vorallem syrische Ärzte von den ABC-Tischen mit und weihten damit den Lehrpfad-Orientierungslauf durch den Albertpark ein. Ein Syrer wusste meist, wo wir auf der Karte waren. Ärzte leben bizarrerweise zum Teil ungesund, um zu helfen.
Ich informierte, wurde ergänzt, wir kamen miteinander ins Gespräch, scherzten, lachten, erlebten Natur und erfreuten uns an ihr und etwas weiter abseits der lauten, gefährlich befahrenen Straßen fühlte ich mich auch tief wohl. Die 3. von 6 Touren für Einheimische und Neuzugezogene, die im 4. Jahresquartal vom Natur- und Landschaftsführer Sachsen e.V. durch Förderung und mit Kooperationen Natur und Menschen zusammen bringen, verband inhaltlich auch die 1. Tour in und bei (Schloss) Moritzburg mit der nächsten in und bei Pillnitz durch den Moritzburg-Pillnitzer/Pillnitz-Moritzburger Weg.
Die 2. fand in kleiner Gruppe im Stadtzentrum statt. Ein Experiment veranschaulichte den Treibhauseffekt, der wichtig ist, ohne den es zu kalt auf der Erde wäre, der aber „zu viel des Guten“ wird. 6 Grad wärmer wird es im Sommer zwischen den toten Asphaltböden und Betonwänden mitten in Dresden als allein schon unter den Stadtbäumen des Großen Garten. Und da leugnen Menschen menschgemachten, mindestens von uns Menschen beeinflussten Klimawandel. Diese riesen Autos, überhaupt, der scheinbar unablässige Autostrom nur einer Hauptstraße, sie machen mich so wütend! Wir haben zu viel Geld und Macht und nehmen uns die Rechte heraus, die Erde Untertan zu machen und andere Menschen auszubeuten. Ja, es passiert beim Einkauf, dass wir töten und versklaven. Und aus diesem Bewusstsein muss der Protest gegenüber der Politik kommen, damit sich Gesetze im Sinne der Menschenrechte wandeln – und als verbindliche Standards eingehalten werden. Oder geht es anders?

Rassismus geschieht einigen alltäglich, teils unüberlegt, teils subtil, durch Lieblosigkeit. Was kann man ganz direkt und wirksam machen neben dem Reflektieren und Verändern von eigenen Gewohnheiten? Veränderungen sind mitunter so festgefahren, allein Namen ändert man kaum, gerade wenn sie viele kennen. Es ist schwierig, weil aufwändig aus alten Mustern auszusteigen, die Bank zu wechseln oder das E-Mailkonto.
Was kann man also tun? Menschen echt begegnen, einzeln, kennenlernen. Betroffene bestärken – auch untereinander tun sie das, weiter so! –, sich friedlich als Menschen zu behaupten, ihre/eigene Würde, die man ihnen/uns abstreitet, aberkennt, einzufordern, zu zeigen. (Solidarität heißt wir, nicht sie!) Prävention „gegen“ Rechtsextremismus betreiben, wie eine Tourteilnehmerin meinte, es gefördert werden müsse, und Menschen von anderswo willkommen heißen. Viele von ihnen, gerade auch Ärmere, Menschen, die Not leiden, litten und kennen, Menschen aus von Deutschland aus gesehen östlichen Ländern, sind gastfreundschaftlich.

Zum 200. Geburtstag-OL von 3 Sportfreunden auf dem WSP
Geschichte ist spannend, wenn sie spannend erlebt, erzählt, gesehen wird. Und am Ende geht es darum, aus Geschichte zu lernen.
Am 9. November vor 30 Jahren (1989) fiel die Berliner Mauer und damit deutschland-, gar weltweit eine Mauer zwischen West und Ost, Kaptial- und Sozialdiktaturen, wobei der „materiellere“ Westen den „ideologischeren“ Osten zum Teil überrollte; eine Mauer, die durch das Internet wohl auch kaum überlebt hätte – obwohl in China dieses stark zensiert und überwacht ist. Am 9. November vor 96 Jahren (1923) versuchte die NSDAP (sie waren scheinbar(!) für alle) unter Hitler schon zu putschen. Am 9. November vor 81 Jahren (1938) fiel metaphorisch gesprochen der Teufel über Deutschland herein, um bis 1945 wahnsinnig zu wüten, war die Reichsprogromnacht, „brannten die Synagogen. Sie brannten [...] im gesamten Deutschen Reich. Sie brannten in Österreich und in der Tschechoslowakei. Der 9. November ist der Tag, an dem organisierte Schlägertrupps jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand setzten. Es ist der Tag, an dem tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Spätestens an diesem Tag konnte jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden waren. Diese Nacht war das offizielle Signal zum größten Völkermord in Europa.“ (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg) Und welche hätten es nicht gewusst? Oder wollten sie es nicht ... wissen?
Am 9. November vor 101 Jahren (1918) fiel sprichwörtlich der Startschuss der 1. Deutschen Republik, d.h. sie wurde ausgerufen, König mit Demokratie ersetzt, ein Alleinherrscher mit der Volksherrschaft. Der 1. Weltkrieg war zuende, die Mittelmächte hatten fast gegen den Rest der Welt gekämpft und verloren, Grenzen verschoben sich, wurden verschoben. Im 2. Weltkrieg kämpften teils andere Konstellationen gegeneinander, als sei alles Schau und Spiel aus außen betrachtet. Millionenfach wurden Menschen umgebracht und töteten sie einander, ohne zu kennen. Und es gab „feindliche“ Verbrüderungen unter Soldaten in Zeiten als Waffen ruhten. Es gab Widerstand, Flucht, Zivilcourage und Drogenschlucken, Kampfrausch und Nicht-zielen-treffen-töten-Wollen.
Wie schnell wurden Menschen aussortiert! Wie lange gab – und gibt – es schon Abneigungen, Vorurteile!
Am 10. November vor 536 Jahren wurde Martin Luther geboren, der die Bibel ins Deutsche übertrug, die Mächtigen der Kirche anzweifelte, anklagte, kritisierte, die Kirche reformieren wollte und so die Spaltung einleihtete, der Kluges wohl dachte, sagte, weil schrieb, der aber auch einige Menschengruppen – wie Frauen, Juden, Osmanen (Türken), Muslime als geringwertig ablehnte, anprangerte.
Heute, am 11. November ist St.-Martinstag und Faschingsanfang und wer weiß, was noch alles. Im November wird noch mehr als sonst Toten gedacht.

Manchmal will ich so viel und dann höre ich noch und seufze innerlich und lächle geduldig: Mach doch mal (z.B. einen weiteren Stadt-OL) und da und da könnte man (mit Kindern und Jugendlichen). Danke, ich habe schon mehr als genug Ideen und zu tun!

Manchmal würde ich am liebsten alle Sprachen lernen, verstehen, sprechen, nicht nur Englisch, was mir schwer fällt (also federleicht ist?), und alles wissen. Das geht nicht oder aber: ich kann es längst und weiß alles, wenn ich das Ich immer mal ein Stück weit auflöse, wenn ich mich als Teil aller Menschen und der Geschichte sehe, verstehe. Um dann wieder zu mir zu kommen, ganz bei mir zu sein.
Ich sehe manchmal in Erwachsenen Kinder, in Kindern Erwachsene und in alle Sterbende, den Schädel hinter unseren Gesichtern. Es ist nicht leicht zu leben und zu sterben (was eins ist), wir haben es uns nicht herausgesucht, aber wir müssen es, solange wir atmen (lernen. Weil alles Lernen ist. Damit wir wenigstens mal neue Fehler machen. Die Entwicklung holt (mich) auf, ein. Die Mutigen leben in die Utopien hinein.)

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