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| Hradec Kralove – berühmter als Covid: Pestsäulen |
5. Tag 91km Hradec
Králové – Vrchlabí
Mein Vater hatte
Geburtstag. Ich wollte ihm den Laubegaster Foto-OL (Teilvariante), den ich in
Corona-Erholungs-Spaziergängen im Frühjahr erstellte, erst zum
Runden nächstes Jahr schenken, aber ich tat es nun doch an diesem
Morgen, es passte. Heute nutzte er ihn! 6-7 Posten fand er nicht. 10
Prozent. Dafür fand er 2 Postenkreise nicht richtig genug. Ich
korrigierte sie.
Mein Vater über-
oder untertreibt gelegentlich, selten scheint er zu frieren, aber
dieser Geburtstagsmorgen erschien ihm doch „saukalt“. Wir
frühstückten ein 2. Frühstück auf dem Markt in Hradec Kralove,
genauer unter Laubengängen, welche in der Gegend etliche Marktplätze
charakterisieren. Lustigerweise lief meiner 24h-OL-Staffel letztes
Wochenende die Pardubicer Staffel weit davon und die Hradec Kralover
Staffel etwas. In Tschechien gibt es viele gute OLer.
Die Radwege
blieben am Vormittag lange recht gut befahrbar, aber ich fühlte mich
von Anfang an recht k.o., was auf meine Laune schlug. Kleinigkeiten
können da helfen, wie Mohnblumen: so rot, wollen gesehen werden,
durchbrechen Eintönigkeit, so zart, dass sie den Wind zu besänftigen
scheinen.
Josefov
(Josefstadt) – keine Ahnung, wo und ob wir es passierten. Wir
verfuhren uns einmal, trugen die Räder über eine kleine Brücke
über die Elbe. Und noch einmal ein ungewollter Umweg (wo sind die
Schilder?) und ich stürzte, nicht spektakulär, rutschte mehr im
Schlamm hangabwärts weg, als wir einen Hund und sein Herrchen
passierten. Am Vor- oder Vorvortag fiel ich in einer Rille auf
hartem Elb(damm)weg. Mein Vater kurz drauf auch, alles ohne hohes
Tempo und Blessuren. Neben vielen nun kleinen Staustufen ist die Elbe
„entarmt“ und ziemlich begradigt. Manchmal zerstörte
Elbehochwasser aber auch hier kleine Wasserkraftwerke.
Spontan hielten
wir an dem Schloss und Örtchen Kuks. Pillnitz grüßte mich im
Kopf, auch wenn das Schloss sehr anders aussieht und auf einer Höhe steht. Ich hatte keine
Muse zum Fotografieren, fühlte mich erschöpft. Wir schauten uns
menschliche Figuren am Schloss und Menschen an, einen Kräutergarten
und einen Friedhof.
In Dvur Kralove
aßen wir, mein Vater Knödel herzhaft, ich süße; Knödel in
Tschechien sind ein Muss. Hatte/beging auch diese Stadt ein Jubiläum? Hinweistafeln verrieten, dass auch dieser Ort alt ist.
Den Kirchturm sah ich in der Abfahrt noch ein paar Mal. Wohl, weil
wir uns hier das 1. Mal heute „verfuhren“, auch wenn es ab und an
zwei oder gar noch mehr Radrouten gab, wir also meinten, der
andere Weg eigne sich wohl doch besser. Mein Vater verstand meine
„schlechte Laune“ nicht (mir „stach“ was im Nacken), ich
verstand sein Unverständnis nicht. Alles akzeptieren. Was bleibt
anderes übrig? Und doch auch: Einstellung ändern, es versuchen,
immer wieder, weil die Einstellung sich auch immer wieder verändert.
Die Talsperre Les
Kralovstvi sieht schick aus, wir fuhren drüber. Das Gebirge fing
längst wieder an, uns und das Elbtal, nun wirklich wieder ein Tal,
zu umrahmen. Allerdings ging es für uns nach dieser Talsperre auf eine und
einer Schnellstraße weiter, hoch und wieder hinab, gesäumt von
Nadelbäumen. Ich mag es nicht, wenn mich Autos schnell und recht
dicht überholen. Mein Vater meinte, das komme je weiter im Osten und Süden
desto öfter vor.
Das Schönste
heute – neben Dankbarkeit für meinen Vater: der erste Blick auf
den Cerna hora (Schwarzer Berg), als er am Horizont auftauchte. Ich
kenne ihn, er markiert das Riesengebirge von Süden her. Stadt, Wald.
Irgendwie kam ich voran, aber langsam. In Hostinne pausierten wir
noch einmal. Marktplatz, Laubengänge, Roland-Statuen am Rathausturm,
alte Fassaden, Menschen, die hier wohnen. Ich machte ein Foto von
meinem Vater auf der Karla-Straße neben der alten Kirche, weil ich meinte, meine Mutter würde sich darüber freuen.
Mönchsdorf,
tschechisch Klasterska Lhota: ringsherum Berge, die Elbe bald ein
Rinnsal, dennoch stellenweise ausgebaut. Wir pinkeln neben sie,
„damit überhaupt was drinnen fließt“.
Hunde, die
bellten, wieder Autos, die zu dicht überholten, eine Nebenstraße –
Aufatmen. Das Tal dehnte, ja weitete sich wieder, wir kamen unserem
Etappenziel näher … doch schon hier in Vrchlabi (Hohenelbe)? Es
war zu spät, um noch bis Spindlermühle zu radeln – ich brauchte kurz für die Entscheidung,
dann war es besser so. Also zum Zeltplatz. … Wir fuhren noch einmal
in die Stadt, einkaufen, Restaurace zu, im Sommer und Winter ist hier mehr los, Livemusik am Zeltplatz,
Nüsse, Chips, er trank Wein, wurde redseliger, fast sanft. Spätes
„Geburtstags“-Abendbrot im Zelt, da bereits dunkel und kalt.
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| im Riesengebirge: Der Elbfall von oben, quellnah |
6. Tag 42km und 17km zu Fuß
Vrchlabí –
Elbquelle und zurück
Wir brachen erst
halb 10 oder so in der Drehe nach Spindleruv Mlyn auf, obwohl wir
unser Zelt für einmal stehen lassen konnten. Nach einem Radweg
Straße in tiefem Tal bis Spindlermühle. Ein Schild weist auf den Nationalpark hin.
Kaum einer (außer uns ;-) hielt sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung.
Im Winter und Sommer ist hier noch viel mehr Verkehr. Erst eine große
Staumauer und ein großer Stausee, dann der bekannte Ort. Postkarten.
Rad bis nördlich der Stadt, wo die Weiße Elbe in die Elbe fließt
bzw. beide zusammen, trifft es exakter.
Ab hier wanderten
wir, obgleich wir noch einen guten, festen Waldweg Richtung Westen
ein Stück weit fahren gekonnt hätten. 8,5 km und 500 Hm, die
meisten der Höhenmeter erklammen wir gegen Ende. Wir unterhielten
uns, ich fiel zurück, hielt mehrfach an, aber weniger inne: Fotos.
Ein steiles Tal, ein Weg, der sich windet, Wald, der sich lichtet,
der Elbfall – von oben einsehbar, die Elbfallbaude, andere
Menschen, Bauarbeiter an der großen Baude, Gaststättengäste, eine
Schulklasse – einer von jener fotografierte uns später an der
Quelle. Oben schien immer Betrieb. Sonne. Hochgebirgscharakter. Berkiefern. Schneereste. Erinnerungen
an Skilauftouren hier mit OL-Freunden, alleine, mit meinem Vater.
Der Frühling fing hier erst an. Das Ziel wirkte fast „unspektakulär“, der Weg war es nicht …
und der ist ja auch das Ziel. Elbestädtewappen, die im Winter im
Schnee verborgen liegen, kleine Fehler in den Mosaiken und in den
Zuflüssen zur metallenen, symbolischen Elbe, eine hölzerne
„Elbfrau“, die hier „losfließt“, die Quelle etwas uneindeutig,
eingefasst wie ein Brunnenbecken. Die Weiße Elbe Richtung
Schneekoppe gegenüber in der nahen Ferne könnte genauso „die“
Elbe sein, die Moldau könnte als Hauptstrom zur Nordsee führen. Was
ist wahr, was irgendwie gefunden, festgelegt? Zwei E-Mails und zwei Postkarten,
u.a. der letzte Apfel aus Dresden und geschmolzene und wieder fest
gewordene Geburtstagsschokolade. Ein Menschenstrom, der nicht
abzureisen scheint. Ein älteres Pärchen aus Hamburg, mit dem wir
uns unterhalten. Sie wollten auch bereits eher hier gewesen sein, waren es nun. Und sie meinten, Vater und Sohn zusammen wäre was Besonderes. Ein junger Vereinsfreund schrieb mir, dass seine Eltern hier
am Vortag gewesen waren. Waren wir 1 Tag zu spät oder 3 Jahre oder
doch genau richtig? Das Wetter passte, kühler war es hier oben
natürlich, zum Glück. (Wie viele Grad bei wie vielen Höhenmetern? Mein Vater hatte eine „Formel“ genannt.) Der Klimawandel ist und wird Scheiße genug.
Wir nahmen den
selben Weg zurück, andere Wege wären zu weit. Wenn wir mal Zeit haben …,
pflegt mein Vater zu sagen, machen wir hier Urlaub. Am nächsten Tag
zur Schneekoppe? Wenn wir in Spindlermühle gezeltet hätten, vielleicht. Ich
hatte keine Lust, die Straße noch einmal zu fahren. Wir aßen am
Zusammenfluss von Elbe und Weißer Elbe, ich Forelle, in Tschechien gibt es
scheinbar keine Vegetarier. Die Abfahrt wurde frisch. Ich wollte
durchs Isergebirge zurück, mein Vater auch.
Heute, für damals
gedacht, waren wir also am Ziel der Reise gewesen, die noch nicht zu
Ende war.
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| Cerna Studnice: Foto-OL nicht unterschätzen |
7. Tag 56km Vrchlabí
– Tanvald und 14km zu Fuß (10 davon im
Laufschritt)
Wir fuhren über
eine Höhe nach Horni Branna. Hinterm Ort ging es wieder sacht
bergauf und lagen fünf tote Maulwürfe auf der Straße, dicht
beieinander. Einer hatte sichtbar Blut verloren. Im Land des kleinen
Maulwurfes. Wie war das passiert? Mir war etwas schlecht. Eine Kindergruppe lief einen
parallelen Feldweg hinauf. Wir rollten und treteten weiter nach
Jilemnice, wo es auch einen OL-Verein gibt. Mein Vater trank einen
Kaffee, wir aßen Gebäck auf dem Marktplatz. Von dort führte uns
unser Weg zur und über die Iser, die hier bereits ein tiefes Tal
prägte. Wie lange schon? Die Brücke, die wir querten, wurde 1912 erbaut. In Böhmen
ist viel barock und manches dem Jugendstil zuzuordnen. Hoch strengte
an, wir verpassten einen Abzweig, fuhren zu weit, der Umweg (mehr
Straße, weniger huckeliger Feldweg) war am Ende vielleicht gut so.
Wir sahen rechts das Riesengebirge, links den Jeschken. Da mit dem
Rad rauf? Vorn uns das Isergebirge und später auch hinter uns die
markante Burg Trosky, deren Silhouette mindestens ein OL-Logo ziert.
Weiter fuhren wir eine Straße nach Vysoke und setzten uns in den
Schatten auf den Markt. Hier standen und saßen viele Jugendliche und
Kinder, die auf Busse ins Umland warteten, dahin wollten, woher wir
kamen oder wohin wir fuhren. Mein Vater erkannte, dass wir hier vor Jahren ein
Ski-OL-Wochenende mitgemacht hatten, damals als SI Air+ erstmals in
Tschechien eingesetzt worden war und ich einen Kartenwechselfehler
gemacht hatte, indem ich von der 1. auf die 3. Karte und dann auf die
2. gewechselt hatte. Und wohl auch mit GPS-Vereins-Uhr am Handgelenk der
Chiphand zu einer Lösung beitrug, da meine Ziellochung trotz
Zielquerung nicht registriert worden war.
Die Abfahrt zur
Kamenice und der Radweg etwas oberhalb von hier hatte noch ein paar
Anstiege für uns in sich. Und zum Zeltplatz in Tanvald durften wir
auch noch einmal etwa 15min steil hinauf. Das Zeltplatztor empfing
uns mit einer Festpostennetzkarte. Papierexemplare hatten die Betreiber nicht.
Dabei wollte ich doch den Foto-Fels-OL eines von zu Hause
mitgenommenen Faltblattes von der Trainings-O-Tour 2020 auf dem langen Bergrücken gegenüber noch
mit meinem Vater absolvieren. …
Also rollten wir
noch einmal hinab, um gleich zum 1. Posten deutlich anzusteigen. Die Aussicht
über Tanvald hatte sich aber bereits gelohnt. Doch die Strecke zog
sich und die angegebene Zeit von 2,5 h schienen wir zu verfehlen. Lag
es am Maßstab von 1:35.000? Die „Posten“ (Felsen und zwei
Treppen) waren wegnah, aber manche trotzdem kniffelig. Mein Vater drehte nach
der Hälfte um, ich wollte bis zum Ende, also tat ich es im Laufschritt
meiner Wanderschuhe. Rennen war mir eine schöne Abwechslung zum
Reiten auf meinem bald 14-jährigen Drahtesel. Rennend sammelte ich
auch noch Plasteflaschen ein und freute mich über einen Müllsack im
Sattel vor dem Cerna Studnice, auf dem ich Punkt 18 Uhr ankam. 19 Uhr
war ich wie vereinbart zurück am Ausgangspunkt bei meinem Vater und unseren Rädern, okay, eine Minute später wegen Fotopausen.
Den ominösen Posten E an dem wir vorbei gelaufen waren, hatte ich
rückzu noch gefunden.
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| Tanvald: Festpostennetz am Zeltplatz |
8. Tag 71km Tanvald
– Liberec (und Radeberg – Dresden Laubegast) und
6km Fuß-OL
Der letzte Tag brach an. Ich wachte
früh auf, vor meinem Vater, stand einmal mit ihm auf. Ich lief den
abfotografierten Festposten-OL mit Handy, schweren Beinen – und
Wanderschuhen. Das ging erstaunlich gut. In einer Woche wollte ich
den 24-Stunden-OL in Tschechien laufen. Nur musste ich ob der
fehlenden Karte mehr Gedächtnis-OL machen, um die Posten zu finden.
Am Ende ein neuer (Rad)Pfad. Nach dem Frühstück fuhren wir nach
Jizerka/Kleiniser. Es wurde steil für uns. Auf einem Friedhof lasen wir viele deutsche Namen. Deutsch und Tschechisch sprechende Menschen
konnten und können miteinander. Ich entdeckte ein Kindergrab. Und am
Dorfaushang hing eine OL-Ausschreibung – für heute. Wir näherten
uns Jizerka, im Winter war ich noch parallel zur Straße Ski gelaufen. In Jizerska
angekommen trank ich einen Kakao. Jizerka wirbt als Dunkelort für sich. Städte sind fern, das kleine, idyllische Dorf liegt in einer
Senke umgeben von Höhen und Wald. Nachts verschmutzt Kunstlicht viel
weniger die Sicht auf Sterne und Planeten. „Wenn wir mal Zeit haben
…“ Das Isergebirge ohne Schnee erleben – der Wunsch ging in
Erfüllung. Die Hauptloipen sind (mittlerweile) schöne Radwege,
dafür weniger Wanderwege. Platten- weichten inzwischen Asphaltwegen. Viele
Radfahrende und ein paar Rollerfahrende waren an diesem sonnigen Tag unterwegs, etliche Kinder. Ich sah einen Lehrer
und Vater und seine Tochter aus einer Dresdner Schule – ebenso mit
dem Rad unterwegs. Die Smedava wird noch gebaut, wir rasteten weiter
oben, aber unterhalb der Knajpa. Die Schöne Marie mussten wir uns
ansehen, also voran die Aussicht nach Norden, auch der Smrk zeigte sich uns hier noch
einmal. In Nova Louka aßen (ich Käse und Kuchen – Essen genießen), tranken und lagen
wir eine sehr sonnige Weile am Wiesenrand. Alles ist endlich.
Rasant führte uns die Abfahrt nach Liberec,
wo ich wen kenne. Rasanter fuhr der Zug. Vertraut war das letzte
Stück durch die Heide und das allerletzte vom Blauen Wunder an der
Elbe nach Hause.
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Sehnsucht nach Quelle, Ursprung, Fluss und Meer
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Epilog: Manchmal meine ich, es gibt ein Gefühl,
man fühlt sich gut oder eben nicht (gut), aber dann denke ich auch
wieder, es gibt Gefühle für jeden Ort, zu jeder Zeit und in jedem
Wesen.
Mein Vater ist fit, fährt mir auf dem
Rad davon, wird aber auch älter. Mein Rad ist schon alt, quietscht zuweilen derart, dass es nicht reparabel scheint.
Und immer wieder begegnet(e) uns „der
Tod“, da scheint man nicht drumherum zu kommen – um sich im Leben
nach dem Leben zu sehnen?! Ich las auf dem fotografierten Denkmal in
Terezin: „… des den Tod überwindenden Lebens …“
Nächstes Jahr die Elbe bis zur
Nordsee? Ist einiges länger von hier als bis zur Quelle.
Kurz vor und nach der Radtour erprobte
ich spazierend und rennend neue Bachläufe, Bäche, die die Elbe mit
Wasser speisen. Wasser: wissen wir hier noch welch Lebenselixier es
ist, müssen wir es wieder (schmerzhaft?) lernen?
Fotos von meinem Vater
PS: Die VHS Dresden, 1. Tester des 1. Dresdner Stadt-OL, wirbt am 17.6.
für den Dresdner Stadt-OL.